Allgemein werden die ersten Auswirkungen von Stress auf den Körper in der chinesischen Medizin mit dem Begriff Le-Qi-Stau bezeichnet. In der chinesischen Medizin wird der Leber die Aufgabe zugeschrieben, die Emotionen zu harmonisieren. Gelingt das nicht, gerät das Qi, also die Energie der Leber, in einen Stau. Der berühmte Kloß im Hals ist oft ein erstes Anzeichen für einen Leber-Qi-Stau, hier hat sich die Energie dann im Hals gestaut und kann sich nicht weiter verteilen.

Wird der Stress nicht weniger, erhitzt sich die Energie des Körpers wie bei einem heiß laufenden Motor. Es kann zu Leberfeuer kommen.

Bei Menschen, die Migräne haben, steigt das Yang der Leber hoch und macht Kopfschmerzen. Aus westlicher Sicht ist das oft mit unterdrückter Wut verbunden, die aufsteigt, weil sie nicht abgebaut werden kann (z.B. durch Bewegung).

Auch das eben genannte Leberfeuer kann Kopfschmerzen verursachen.

Oft sind diese genannten Syndrome mit Augenproblemen verbunden, zum Beispiel trockene Augen, überanstrengte Augen, Augenjucken, Zucken an den Augen = Augentick, Schleimhautentzündung und Rötung an den Augen. Die Chinesen sagen: die Augen sind das Fenster der Leber.

Yin und Yang sind zwei Seiten einer Medaille.

Yin ist das substantielle, dass körperliche, das beruhigende, dass beruhigte,

Yang ist das bewegte und bewegende.

Yin und Yang gehören zusammen, das eine kann ohne das andere nicht existieren.

Alles, was existiert, hat ein Yin und ein Yang.

Yin, also zum Beispiel Gewebe, kann nicht ernährt werden, wenn das Blut (Yin) nicht vom Yang durch das Gewebe hindurch bewegt wird. Das bedeutet: Yin beinhaltet nicht nur Gewebe, sondern auch Blut.

In unserer Gesellschaft können wir dem Stress nicht ausweichen. Eine gesunde Menge Stress ist durchaus auch gut für den Körper. Ist der Körper aber geschwächt, oder schon durch viele andere Sachen belastet, dann kann Stress den Körper schädigen.

Es gibt verschiedene Ursachen, wieso der Körper dem Stress nicht gewachsen ist. Es kann sein, dass der Stress zu viel ist. Es kann aber auch sein, dass der Körper durch fehlerhafte Ernährung, und schlechte Behandlung ( z.B. zuwenig Bewegung, zuviel Pc-Arbeit und Fernsehen) von vornherein dem Stress nicht so viel entgegenzusetzen hat.

Dabei ist ein Problem die westliche Ernährung. Gerade jetzt ist ja leider in Mode gekommen, auf blutbildende Nahrungsmittel weitgehend zu verzichten. Dazu gehört zum Beispiel Fleisch, aber auch lang gekochte Nahrung wie Brühe, gedünstetes Gemüse, und Hülsenfrüchte, die viel gesundes Eiweiß enthalten.

Kann der Körper genug Blut bilden, kann er auch Leber und Herz mit genug Blut versorgen, und das macht den Körper insgesamt stressresistenter. In meiner Praxis sehe ich sehr oft, dass die Ursache von geringer Stresstoleranz Leberblutmangel (chinesische Sichtweise) ist. Das muss nicht unbedingt heißen, dass der Körper zu wenig Eisen hat.

Blut besteht nicht nur aus roten Blutkörperchen, sondern auch aus Vitaminen, Enzymen, Mineralien und hochkomplizierten Eiweißverbindungen, die die Immunabwehr darstellen: die Antikörper etc…

Veganes Essen, die neueste Mode, ist besonders ungesund. Hier fehlen neben dem tierischen Eiweiß auch viele Vitamine, besonders Vitamin B12, dass nur durch Bakterien oder durch Fleisch in den Körper gebracht werden kann. Vegane Ernährung kommt aus einer Gegend in den Bergen, wo die Leute wirklich sehr arm waren. Sie haben ihr Gemüse selbst angebaut und mit dem eigenen Ausscheidungen gedüngt. In diesen Ausscheidungen sind allerdings genug Bakterien, die, wenn das Gemüse nicht gewaschen wird, wieder in den Körper zurückkommen und Vitamin B12 abgeben, sie fungieren sozusagen als Fleischersatz. Das möchte hier in Deutschland sicher niemand nachmachen. Bei einer veganen Ernährung ist es unumgänglich, sich nach einer gewissen Zeit, wenn der Vitamin B12-Vorrat im Körper aufgebraucht ist, Vitamin B12 zuzuführen, bzw als Tablette zu schlucken. Allerdings kann der Körper das Vit B12 aus Tabletten nicht so gut aufgenehmen wie aus Fleisch. Heilpraktiker können zwar Vit.B12 spritzen, aber von gesunder Ernährung ist das meines Erachtens weit entfernt.

Oft berichten mir Menschen, dass sie sich nach der Umstellung auf veganes Essen besonders toll und energiereich fühlen. Das hat zum einen damit zu tun, dass sie endlich auf schleimbildendes Essen verzichten (Milchprodukte, Zucker, Weißmehl und viele Mehlprodukte), was träge macht. Zum anderen geht der Körper in einen Überlebensmodus, der mehr Energie freigesetzt, um an die fehlenden Nährstoffe zu bekommen. Das funktioniert, wie man sich denken kann, natürlich nur eine gewisse Zeit lang. Irgendwann wird Erschöpfung auftreten, oft fangen dann echte Blutmangelerscheinungen an aufzufallen: dazu gehören Haarausfall, schlechte Nägel, trockene Haut, Augenprobleme, etc.

Erwachsene Menschen können auf einen Vitamin B12-Vorrat von 2 bis mehreren Jahren zurückgreifen. Problematisch wird es bei schwangeren Frauen. Das Baby hat dann durch die Mangelernährung vor der Geburt im Körper noch einen eigenen Vitamin B12-Vorrat von circa einem Jahr, im zweiten Jahr treten dann die Mangelerscheinungen schon auf.

Also: um sich gegen Stress besser zu wappnen, ist es sinnvoll, gut und regelmäßig und warm und gekocht zu essen.

Essen, das sehr heiß ist, also scharf gewürzt oder scharf angebraten, bringt Hitze in den Körper. Wie oben schon beschrieben, verschlimmert das oft die Stressproblematik.

Bisweilen gibt es einen interessanten Effekt davon. Da der Körper schon sehr erschöpft ist und die Energie nicht mehr gut bewegen kann, bringt die Hitze kurzfristig Bewegung in den Körper, und erleichtert damit die Stressproblematik kurzfristig. Das sind Menschen, die ohne Kaffee nicht leben können, oder die es lieben, scharf gewürztes zu essen. Diese Menschen gehen dann auch besonders gern in die Sauna. Leider verstärken sie damit die Grundproblematik, nämlich den Blutmangel. Durch das Schwitzen in der Sauna verlieren sie mit dem Schweiss zusätzlich Körperflüssigkeit mit wertvollen Inhaltsstoffen. Bei diesen Menschen zeigt sich oft nach einiger Zeit, dass die Hitze ihren Weg nach außen über die Haut sucht. Es kommt entweder zu trockener Haut oder zu unreiner Haut mit Pickeln, die chinesisch als Blut Hitze gesehen werden.

Das ist auch etwas, was meines Erachtens erklärt, warum heutzutage so viele Kinder und Jugendliche Probleme mit Pickeln haben. Hier entsteht die Problematik oft durch ungesundes, scharfes und unregelmäßiges Essen.

Auch der Magnesiumsgehalt des Essens ist insgesamt deutlich gesunken. Durch die mineralische Düngung, diese seit über 100 Jahren üblich ist, sind selbst die Böden der biologisch-dynamischen Betriebe mineralstoffärmer geworden. Magnesium wird in der Körperzelle gebraucht, um den Erregungszustand der einzelnen Zelle zu entspannen. Wenn genug Magnesium im Körper ist, dann Verspannungen sich die Muskeln weniger.

Daher meine Empfehlung, unter Umständen bei viel Stress regelmäßig Magnesium zu sich zu nehmen.

 

Weitere medizinische Gründe für eine geringere Stressresistenz:

 Vitamin-D-Mangel im Herbst und Winter, etwas, was tatsächlich in unseren Breitengraden häufiger vorkommt als man denkt.

Abhilfe: jeden Tag mindestens 20 Minuten ans Tageslicht, auch bedeckter Himmel reicht. Oder regelmäßige Vitamin-D-Zufuhr, zum Beispiel durch Vigantoletten. Auch die Tageslichtlampe von Phillips kann sehr hilfreich sein und u. U. die Winterdepression abwenden (Kosten ca 150€).

Schilddrüsenprobleme: das muss ärztlich abgeklärt werden. Besonders im Klimakterium können Frauen durch die instabile und schwankende Hormonlage Schilddrüsenprobleme bekommen. Dann sind oft Grenzwerte, die vom Arzt unter Umständen noch als normal eingeschätzt werden können, im Hinblick auf Stress problematisch. Diese Probleme äußern sich z.B. in heftigen Gefühlen, die scheinbar grundlos auftreten und wieder verschwinden. Von der westlichen Medizin werden sie gern als psychosomatische Erscheinungen, die im Klimakterium „normal“ sind, abgetan.

 

Vortrag Stress aus chinesischer Sicht: gehalten für „Reden hilft, wenn jemand zuhört“ e.V. im Elbschloss an der Bille, 13.11.2014

von Dr.agr. Bettina Regh-Melcher, Heilpraktikerin

 

 

 

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